26th 60 sm vor Sylt 2012 (1th 30 sm vor Sylt 2012) (Bericht von Nicole Beckers und Karsten Jüstel)

Wir, ein Segelpaar aus dem tiefsten Rheinland, hatten die tolle Idee die 60sm vor Sylt mitzusegeln, da unser Teich zuhause irgendwie ein bisschen klein ist.
Ganz ordentlich hatten wir natürlich einiges recherchiert, die Homepage des SCC und die Vorjahresberichte gelesen, außerdem wollten wir schließlich wissen was für Wetter normalerweise ist und was wir sonst noch so auf Sylt machen können. Durchschnittliche maximale Temperatur im Juli 18,4°C = Strickpulli.
Durchschnittliche Anzahl der Regentage im Juli ist  9 = Ok, bleiben ja noch 22 Tage ohne Regen übrig.
Vorherrschende Windrichtung NW -  W, 15 Knoten =  ja das sind 4 Beaufort, dachten wir, genau unser Segelwind!
Sylt, von N nach S ziemlich gerade runter, Hörnum befindet sich unten im Süden und List oben im Norden. Aha, Wattenmeer;  ach so, tolles Lokal; ja ja, Ort zum Schickimickieinkauf; Teekontor und was nich` noch alles. Wir werden uns schon nicht langweilen.
Also trauen wir uns und melden uns mit unserem HC16 „TUTTO BENE“ zu unserer ersten Regatta im Leben an.

Logbuch

Freitag 06.07.2012

Da in NRW Ferienbeginn ist, haben wir entschieden schon Donnerstagabend loszufahren und irgendwo zu schlafen, um dann am Morgen frisch in Hörnum anzukommen.
Zum vergünstigten Preis sind wir morgens mit dem Autozug rüber gefahren und haben schnell den SCC gefunden wo wir herzlich von Holger empfangen wurden, alles unkompliziert und easy. Ein Stellplatz fürs WoMo beim SYC und den Trailer war schnell gefunden, sowie das Boot mit Hilfe von Christian und Markus (HC Tiger) über die Kaimauer auf den Sand gehievt. Hier sieht alles aus wie Urlaub. Die Sonne scheint, es ist mäßiger Wind und es juckt uns, wir wollen rauf aufs Wasser.
Boot aufbauen…. Kleinigkeit essen…. Erzählen…. Nu wollen wir aber los und folgen  Holgers Rat nordwärts zu segeln, er würde ein Auge draufhalten ob wir auch abends wiederkommen (?). Den Blick aufs Wasser gerichtet sehe ich einen kleinen Tümmler der uns vorwitzig eine Zeitlang begleitet. Wir testen das Boot, ist alles da wo es hingehört, funktioniert alles? Wunderschöne 3 WS, ein bisschen bewölkt und 20°C. Das Wetter klart auf nach unserer Rückkehr, als wir die Abendsonne mit einer Weißweinschorle bei Adi auf der vereinseigenen Terrasse vor dem Clubhaus, direkt am Strand, mit Blick aufs Wasser genießen. So nach und nach trudeln alle ein und warten ungeduldig darauf, dass der Grillmeister startet.  Auf so ´ne tolle Versorgung waren wir ja gar nicht eingerichtet. Fleischläppchen, Salat und Brot, jeder hatte was zu erzählen, es war rund um ein gemütlicher Abend.

Samstag 07.07.2012

Nach einer ruhigen Nacht im WoMo machen wir uns  früh auf zu den Sandbänken an der Hörnumer  Odde, die bei Ebbe sehr gut zu sehen sind. So gut es geht prägen wir uns das Landschaftsbild ein,  bedenklich ist jetzt schon, dass sehr wenig Wind ist. Wir vermuten, dass die Regatta nicht starten kann und müssen uns doch beeilen, um pünktlich beim Skippersmeeting zu sein. Also, wir segeln nicht nach List, weil wir auf Grund des wenigen Windes dort nicht ankommen würden,  machen aber eine Wettfahrt um die Tonne 13, es wird uns genau erklärt wo sie liegt. Start vom Strand alle 30 Sekunden, 11:30 geht es los.
Die Sonne scheint, 23°C, Neoprenmontur, 50ger Sonnencreme auf der Nase und ein Notpaddel unter dem Trampolin, die Stoppuhr und Starttröte, fachmännisch durch die guten Seelen des Vereines bedient, ertönt und rauf aufs Wasser…..
Tonne 13 ist der Wendepunkt, meine Befürchtung, dass wir diesen heute im Leben nicht erreichen bewahrheitet sich. Es ist heiß und wir schwitzen als wir bei der Tonne Hö1 ankommen, ab hier geht es rückwärts und zwar für alle. Der Wind ist so abgeflaut, dass die Strömung zurück stärker ist, als unsere Bemühungen vorwärts zu kommen. Wir segeln eigentlich vorwärts aber treiben rückwärts, das führte zu einem Abbruch der Wettfahrt. Ach hätte ich mir heute Morgen doch einen Strandkorb gesucht. (Und wieso müssen immer die Vorschoter paddeln?) Unser Boot war 3,61 Km unterwegs und hat dafür 1 Stunde 20 Minuten gebraucht, das umrechen in Knoten lohnt sich bei der Geschwindigkeit gar nicht. Da ist ja meine Oma mit dem Rollator schneller.
Nach dem leckeren Mittagessen haben wir einen ausgiebigen Spaziergang bei super Sonnenschein durch die Dünen gemacht und den ersten Seehund gesehen. Der Grill wird angeworfen und der Tag endet so schön wie er begonnen hat mit  Urlaubsfeeling und netter Gesellschaft.
Holger hatte sich noch was als Wertung des ersten Tages überlegt, das ich Euch nicht vorenthalten will!
1.Platz: Simon (Mit dem kleinsten Cat war er am weitesten gekommen, und das obwohl er normalerweise keine Gezeitenströmung kennt. Er kommt aus Bayern) Preis 1 Flasche Sekt
2.Platz: Jeremias und Gabriele (Zum Zeitpunkt des Abbruchs wegen Flaute, beste Position der HC16, obwohl aus Stuttgart und auch nicht an den Gezeitenstrom gewöhnt) Preis: 1 Piccolo Gosch Rose Secco und ein Flasche Erdinger
3.Platz: Torsten und Bernd (fist ship home durch intensives Paddeln nach dem Abbruch) Preis: 2 Piccolo Gosch Rose Secco

Sonntag 08.07.2012

Bei allerschönstem Wetter, Sonnenschein und 3-4 Windstärken aus SO machen wir uns auf zum Skippersmeeting am Sonntagmorgen. Ja dann… 9:30 Start, das haben wir gestern geübt, unter Einsatz der Tröte im 30 Sekunden Rhythmus auf das Wasser hüpfen. Der Satz des Abends liegt mir noch in den Ohren „Die Regatta entscheidet sich an den Sandbänken“. Augen aufs Wasser, ja drüber brezeln, das passt schon! Wir halten uns wacker bei böigen Wind und segeln Anlieger raumschots immer hinter der Tonne am Motorboot her, die Holger setze will. Die F18 sind nach uns gestartet und holen uns so langsam ein, schön anzusehen wie sie mit Spi abdüsen. Wir geben unser Bestes und versuchen uns im Flyern, so werde ich auf dem Leerumpf ordentlich geduscht. In Wenningstedt ist es so weit, die Tonne wird von Holger gesetzt. Keep smiling für ein Foto!  Ein Boot nach dem anderen umrundet die Tonne und geht auf amwind Kurs, überwiegend schöner Doppeltrapez-Wind. Nach der Tonne hinter uns geht ein HC 16 baden, nix passiert, was uns aber einen Vorsprung bringt. Immer knapp vor dem Jugendboot, freue mich noch an den tollen Bedingungen die wir haben, als ich eine Robbe auf der Sandbank sehe.
SANDBANK da war doch was. Es sieht aus als würde das Wasser kochen als wir an der Hörnumer Odde über die halb gefluteten Sandbänke fahren, die Jugend verhungert zum Glück in der Wende, sonst hätten Fridhjof und Freya uns noch eingekriegt. Unerschrocken durch das Wellengemenge zu einem gemütlicher Zieleinlauf zwischen roter Hafentonne und Terrasse des Clubhauses. Es hat einfach nur Spaß gemacht. Unseren Aufzeichnungen zufolge sind wir eine Strecke von 53,7 Km das sind knappe 29 sm,  mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 16,57 Km/h = 8,9 Kn. Gesegelt. Alle sind zurück, alle strahlen und wir essen gemeinsam sehr spät zu Mittag. Da nach TR gewertet wird, ist bis zum Schluss unklar wer gewonnen hat. Die Auflösung gibt Holger nach seiner Berechnung bei der Siegerehrung bekannt.
Platz 1-3 belegen die Lokalmatadore. Auf dem F 18 mit Spi Carsten und Dirk Platz 3, Stefan und Bettina die Vorjahressieger auf HC16 Platz 2 und Jascha und Dennis auf HC16 Platz 1. Überraschend Jeremias und Gabriele (HC16) aus Stuttgart auf Platz 4 und für uns Regatta-und-Nordsee-Greenhorns der unglaublich 5.Platz.
Platz 6 Christian und Markus auf HC Tiger und Simon alleine auf HC 14 Platz 7. Frithjof und Freya, die Jugend, haben gesamt Platz 9 und die Jugendwertung mit Platz 1 belegt (und sind jetzt stolze Besitzer eines riesigen Pokals). Dieter und Clara haben es auf HC16 auf Platz 10 geschafft, Lutz und Anton nach einem Bad auf Platz 11. Das einzige Paar  mit einem Topcat waren Rotgar und Heike die den 12. Platz belegten. Den ungeliebten 13. Platz erwischten Torsten und Bernd. Die komplette Wertung mit Zeiten kann unter http://www.sylter-catamaran-club.de eingesehen werden. Mit T-shirts und Pokalen ausstaffiert nahme wir Abschied von den Frühaufbrechern.
Nachmittags wollten die ein oder anderen Übriggebleibenen nochmals aufs Wasser. Ein Omen (kaputte Nocke) lässt uns am Strand zurück. Der Himmel verdunkelt sich und das das Gewitter naht. Alle Boote kommen schnell rein, auch wir entscheiden uns für  Mastlegen da 7-8 WS für die Nacht vorhergesagt sind. Nach einem ordentlichen Regenguss zieht es uns zum Essen ins Restaurant wo wir mit allen, die noch nicht abgereist sind den Abend und das Wochenende ausklingen lassen.

Montag 09.07.2012

Es rappelte ordentlich die im WoMo, wir schliefen unruhig und mussten den Wagen windgeschützter umsetzten.  An Boot verladen ist heute auf Grund des Windes  nicht zudenken. Auch der Autozug nimmt momentan keine Gespanne mit… also reisen wir wohl Morgen ab.
Mit dem Pokal auf dem Schreibtisch sitzen wir jetzt zuhause und schreiben diesen Bericht. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr, da nehmen wir gerne wieder teil, nur der 5. Platz soll es nicht wieder sein, denn dann sind wir abermals mit dem Bericht „dran“. Wir können nur hoffen, dass der Sylter Catamaran Club wieder fleißige Mitglieder motivieren kann, die in ihrer Freizeit in der Küche, auf dem Wasser und an Land ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, genügend Sponsoren und Teilnehmer  finden, damit dieses wunderbare Event auch in 2013 gelingen kann.
An diese Stelle können wir nur noch eines sagen, DANKE.
Karsten und Nicole