Olli und Steffi auf „der“ Nordseeinsel (Bericht Cat Festival Sylt 2014 von Oliver Bleikertz, Nacra 500)

Es endete nach 13 Tagen genauso, wie es begann: Strömender Regen auf der A1 zwischen Köln und Hamburg und das 300 km lang!

Aber die 12 Tage dazwischen hatten es wirklich in sich. Sonne, Wind und Meer pur!

Auf der abendlichen Hinfahrt in Bremen einen gebraucht gekauften Spi eingesammelt, dann im Autohof Sittensen „Das 7:1 Halbfinale“ gegen Brasilien angeschaut und danach noch an Hamburg vorbei bis kurz vor Husum ins Nachtlager gerollt. Mittwochmorgen nach einem kleinen Frühstück weiter bis zum Syltshuttle, der Regen hat sich über Nacht verzogen, die Wolken werden von Stunde zu Stunde weniger, die Windräder drehen vergnügt ihre Runden während wir auf der Bahn verzurrt werden und rückwärts zum Bahnhof Westerland geschaukelt werden. Bisher stimmt der Wetterbericht …..

Gleich nach der herzlichen Begrüßung von Addi dem guten Geist des SCC und des Clubheims (die Gesichter von uns hat er wieder erkannt, unsere Namen nach 5 Jahren noch zu wissen wäre doch zu viel verlangt) und der ersten Portion Kibbeling von der Fischbude, wird das Boot abgeladen, mit dem Handkran über die Mauer zum Strand gehievt und dort aufgebaut. Trotz steifer und bockiger Brise kann ich es mir nicht verkneifen noch einmal rauszufahren, aber der Wind macht es uns nicht leicht und so lassen wir es nach einer guten halben Stunde genug sein.

Wir bauen direkt an der Hafenmole auf dem Gelände des befreundeten SYC unseren Bulli auf und genießen den Blick auf die Schiffe, das Klönkern der Schoten und das Pfeifen des Windes. Endlich Urlaub!
Mittwoch ist der Wind dann etwas weniger und nachdem wir vormittags den ersten Törn im Wattenmeer zur Erkundung gemacht haben, treffen wir erst Holger Povel den 2. Vorsitzenden und Organisator und später die beiden eintreffenden Topcatsegler Willi und Werner.

Donnerstag und Freitag folgen weitere Törns bei bestem Wind und Wetter, bis dann am Samstag pünktlich zur Regatta der Wind einschläft und nur mit großem Geschick und langjähriger Erfahrung  schafft es Wettfahrtleiter Wolfgang Bahr eine Regatta mit Bahnverkürzung (zwei statt drei Runden)in ca. 50 min. über die Runden zu bringen. Da der Startzeitpunkt kurz vor den Tidenwechsel angepasst ist haben wir trotz des schwachen Windes keine Probleme mit der sonst üblichen Strömung die Tonnen zu erreichen und zu umrunden.

Abends steigt dann die große Strandparty mit Livemusik, Lagerfeuer, Gegrilltem und Getränken nach Wunsch.

Sonntag sieht es etwas besser aus und so schaffen wir noch zwei schöne Läufe. Beim Ersten können Willi und ich (die einzigen Einhandsegler ) sogar einige Male kurz ins Trapez bevor sich der Wind zu Mittag wieder eine kurze Pause nimmt und die Regatta abgeschossen wird. Nach der Siegerehrung machen die meisten einen Nachmittagsschlaf um für das WM-Finale fit zu sein und es zeigt sich, dass dieses Nervenspiel genauso aufregend ist wie eine Regatta und mit der Verlängerung fast bis Mitternacht dauert. „WIR(?)“ SIND WELTMEISTER!!!

Ab Montag beginnt dann das offizielle Ferienprogramm mit begleitetem Segeln. Da der Tag recht grau und stark windig beginnt; beschließen wir gemeinsam, einen Tag nicht zu Segeln, machen eine Radtour nach Westerland und nehmen uns für Dienstag die Tour um Amrum vor. Am Nachmittag wird es noch grauer, was mich aber nicht doch noch von einem kurzen Segelausflug abhält und schließlich regnet es am Abend für drei Stunden leicht. Um es vorweg zu nehmen: der einzige Regen in den 12 Tagen solange wir auf der Insel sind.

Dienstagmorgen also Start zum Amrumtörn, wieder weht eine steife Brise und nach einer guten halben Stunde haben zwei von sieben Kats schon genug von der ruppigen Schaukelei im Wattenmeer und kehren um. Kurz danach, als wir gerade die lange angenehmere Welle der offenen Nordsee nordwestlich von Amrum erreicht haben, kentert einer der Hobies. Alle halten an und segeln etwas näher heran um dann zu sehen was passiert ist. Der Kat ist durchgekentert und neben dem Schiff treibt ein halber Mast. Später an Land erfahren wir, dass die Ursache ein gerissener Trapeztampen war, der Vorschoter über Bord ging und den Kontakt zum Boot verloren hatte worauf Fridjof,der Steuermann, sofort den Mast runtergedrückt hat um nicht zu schnell abzudriften. Alles richtig, aber bei nur 4-6 m Wassertiefe bekommt die Mastspitze schnell Grundkontakt und eine der ersten Wellen oder Böen war stärker als der Mast… Der Materialverlust ist bitter, aber wichtiger ist das niemand verletzt ist.

Holger ruft im Verein an und dort wird das Motorboot klargemacht, um den Kat rein zu schleppen. Alle warten bis das Motorboot da ist und segeln dann zurück. Nächstes Jahr werden wir es nochmal versuchen. Nachmittags bin ich dann nochmal mit Ralf eine Runde durch die Wellen geflitzt und habe ihm gezeigt, wie tief ein Nacrarumpf ins Wasser darf ohne zu kentern.

Mittwoch beschloss ich endlich den Spi mal ans Schiff anzubauen. Steffi hat mit anderen Frauen eine Wattwanderung mitgemacht. Beides hat natürlich eine ganze Weile gedauert, wir konnten das bunte Segel aber am späten Nachmittag bei einer leichten Brise noch erfolgreich ausprobieren. Ist schon älter, etwas zu klein und die Farben sind nur beinahe modern (sexy pink, gelb und rosa) aber zum Spaßsegeln und ein bisschen Üben reicht es.

Donnerstag ist dann ein Besuch der Sansibar auf der Westseite geplant. Bei leichtem Südostwind erreichen wir nach gemütlichem Spikurs den Strand und erfrischen uns an der Strandbar. Nach der Rückkehr ist noch eine Abendregatta geplant, die ich mir aber schenke da ich noch in Ruhe einiges für die Party im Frachtraum und auf dem Frachtsegler „Undine“ der Hamburg-Sylt-Linie vorbereiten möchte.

Anfangs war auch kaum Wind aber am Ende der ersten Runde wurde es allmählich mehr, sodass Holger, der diesmal als Wettfahrtleiter fungierte sogar eine Bahnverlängerung beschloss und noch eine zweite Runde fahren ließ.

Die Party auf der Undine war für uns neu und ein echtes Erlebnis: Oben auf Deck unter den zwei riesigen Holzmasten wurde getratscht, gegrillt, getrunken und unten im leeren Laderaum ging die Party ab.

Freitag beschlossen wir nach Beratung von Holger über die aktuelle Strömung die Seehundbänke und die Westseite von Amrum zu erkunden. Wegen einer viertelstündigen Flaute und der Strömung wird diese Tour auch wieder etwas länger und wir kommen fast pünktlich zum Grillen erst wieder an.

Der diesjährige Höhepunkt startet am Samstag: 60 SM vor Sylt. Die Vorhersage mit Ostwind 13-18 Kn klingt vielversprechend. Der Leman-Start vom Strand mit 20 Booten (alle 30 sec. zwei Boote) ist schon eindrucksvoll und als wir Amwind schon im Doppeltrapez stehend die Südspitze umrunden und dann auf Halb- bis Raumschotkurs abfallen, merken wir, dass die Vorhersage recht hat und uns ein heißer Ritt bevorsteht. Die drei Topcats können leider den Spi nur ganz kurz nutzen (derKurs ist nicht tief genug) und mangels Fock und Gewicht nicht das Tempo erreichen und bleiben bald zurück.

Steffi muss anfangs noch ständig rein und raus, fühlt sich aber im Trapez ganz wohl hinter mir und so rauschen wir an der Sansibar vorbei in Richtung Westerland. Dort wird es noch etwas windiger und wegen der Bebauung auch noch böiger aber ohne anzuhalten oder zu halsen erreichen wir die Wendemarke, wobei wir drei der 10 min vor uns gestarteten Hobies schon eingeholt hatten, zwei weitere umrunden etwa mit uns die Tonne und neun kommen uns schon wieder entgegen. An der Tonne die etwa in der Höhe der Orte Wenningstedt und Kampen nah am Ufer liegt schnell ein Schluck Wasser trinken , alles auf Amwind umtrimmen und sofort beide ins Trapez. Wie schon auf dem Hinweg ist der Teil bis kurz hinter Westerland sehr böig und fordert zwei schnelle Arme an der Pinne und der Schot.
Nochmal schaffen wir es, drei Hobies einzuholen und hinter uns zu lassen. Die anderen werden deutlich größer aber sind nicht zu erreichen. Auch der Amwindkurs gelingt ohne Wende, der linke Arm meint ab und an er hätte nun genug an der Schot gezogen, doch bald ist die Südspitze erreicht, erneut durch die Untiefen, die Ruder klappen kurz hoch, dann noch durch die Strudel bis in die einlaufende Strömung und schließlich, gemütlich aber flott mit Strom und Rückenwind ins Ziel. Wir kommen als 7. Boot ins Ziel, sind als 18. gestartet, auch die F18 haben uns nicht einholen können. Klingt gut, aber keiner kann so gut Kopfrechnen um abzuschätzen wie gut das wirklich war. Ein wenig berauscht von diesem Höllenritt stehen wir am Ufer und schauen zu wie ein Boot nach dem anderen die Ziellinie überquert. Nur einer hat Pech, verliert wegen gebrochenem Hauptschäkel (!) den Mast und muss zurückgeschleppt werden. Später beim Ankerbier erfahren wir, das wir 2h44min für 61 km gebraucht haben und das bedeutet ein Schnitt von über 22 km/h. Letztes Jahr bei Rond Tiengemeten habe ich für 66km über 3h55min gebraucht und das war auch nicht langsam…

Am Sonntag behielt die Vorhersage mit 18-20ktn Ostwind und Böen bis 30ktn leider wieder Recht und in Verbindung mit den Wellen, die in Hörnum dann entstanden, war die Entscheidung von Holger uns nicht rauszuschicken gut zu verstehen. Der eine Hobie Cat der ganz früh versucht hatte nach Föhr zu segeln, kam nach einer halben Stunde erfolglos zurück.

Somit riss mein unglaubliche Serie ab: Vom ersten bis zum 11. Tag war ich auf dem Wasser, meistens zweimal, mit Superwind, tollem warmen Sonnenwetter, mit mächtiger Strömung, Seehunden und (meistens) meiner Steffi neben mir. Das war das absolute Highlight in meiner 12 Jährigen Segelkarriere und ich glaube das ist nur schwer zu toppen.

Wir waren dann nicht wirklich traurig über diese Absage, noch eine Tour bei noch mehr Wind, na ja wer weiß schon wie es dann ausgegangen wäre, unser Segel hat die beste Zeit schon länger hinter sich. So hatten wir Zeit, gemütlich das Schiff abzubauen, erneut das wirklich leckere Mittagessen zu genießen, das es an jedem Regattatag für die Teilnehmer gab und am Ende bei der Siegerehrung stolz und überglücklich die Pokale für den zweiten Platz in Empfang zu nehmen.

Diese Segelwoche wird noch lange Zeit in unserem Gedächtnis bleiben und immer wieder vor allem meine Augen zum Strahlen bringen, wenn ich daran zurückdenke.

Allen Helfern vom Sylter Catamaran Club (SCC ) in Hörnum, die für uns gekocht, besorgt, gegrillt gezapft und am Ende wieder aufgeräumt haben, möchten wir danken.

Ein ganz besonderes Lob und vielen Dank geht aber an Holger Povel , der mal wieder seinen Urlaub und all seine Kraft und Energie geopfert hat, um das alles zu organisieren und für uns Segler eine Top Segelwoche möglich zu machen.

Wir sind nächstes Jahr ganz sicher wieder dabei, wer auch mit will, sollte sich schon jetzt die Termine 25./26.7.2015:  „60 SM vor Sylt“, 1./2.8.2015: „Super Sail Sylt“ und „Feriensegeln“ in der Woche dazwischen eintragen. Wie in diesem Jahr wird die Super Sail Sylt wieder eine offene Regatta sein. Sicher spricht sich das Erlebte auch bei den Topcats rum und es ist geplant, diesen Termin mit in die Regattaserie „CatCup“ der Nacra-Klassenvereinigung  und evtl. dort sogar als IDB aufzunehmen.

………
„Ohhh ich hab' solche Sehnsucht.
Ich verliere den Verstand!
Ich will wieder an die Nordsee, ohoho.
ICH WILL ZURÜCK NACH                     HÖRNUM STRAND