Hörnum 2011 – Ein Fest für alle Sinne (von Georg Backes)

Die entscheidende Frage vorweg: wofür schlägt in Wahrheit das Herz unserer jungen Segelfreunde?

Seiltanz oder Stangenbar – diese Entscheidung blieb offen, in jedem Fall müssen wir uns um den Lebensunterhalt des Hobie-Nachwuchses keinerlei Sorgen machen …

Offen und freundlich empfangen im Clubhaus mit dem coolsten Trassenausblick weit und breit bereiteten wir uns in diesem Jahr schon ab Donnerstagabend auf ein wind- und erlebnisreiches Segelerlebnis vor. Kein Problem – schließlich waren die Crew und viele Segler schon seit dem Wochenende davor zugange, gute Laune zu tanken und sich mit Strom und Wellen vor der erfrischend unversnobten Südspitze der Insel Sylt vertraut zu machen.

Über den ersten Teil der Woche und die „60 Seemeilen von Sylt“ wird sicher an anderer Stelle noch berichtet, die organisatorische Mammuttour der freiwilligen Helfer des Sylter Catamaran Club mit dem tollen Angebot über 10 Tage hinweg soll hier aber gerne besondere Erwähnung finden, zudem sie wieder für gute Meldezahlen sorgte und die Woche einmalig in der Szene macht.

Die Bedingungen am Freitag taten ihren Teil zum guten Auftakt mit zunehmend sportlichen 4 Windstärken aus Nordwest, mit aufziehenden Fronten auch bis auf 6 zulegend. Unser geplanter Ausflug nach Föhr wurde dadurch umgewandelt in einen heißen Ritt zwischen Strom und Wellen – allerdings mit direktem Kurs zurück nach Hörnum. Im Rückblick auf der Terrasse alles halb so schlimm und noch prima segelbar – das übliche Latein eben.

Der Strand füllte sich zusehends und am Samstag war dann auch ein buntes Feld aus 16ern beisammen. Bei Westwind zwischen 3 und 4 Bft mit wechselnder Tide - perfekte Bedingungen, und es war jedes Mal eine schwierige Entscheidung, ob der Kurs unter Land oder auf der Sandbank der bessere wäre …

Durch 3 Rennen hindurch am Samstag anspruchsvolles Schach auf dem Wasser bei besten Bedingungen und einer Wettfahrtleitung, die mit Augenmaß Startlinie und Tonnen im Stromrevier platzierte. Das entschädigte alle für die lange Anreise und ließ genug Reserven für die legendäre Strandparty mit Kapelle auf der Veranda und Lagerfeuer am Strand. Der Wettergott zeigte sich dabei zusehends launisch - Band, Feuer und feierndes Publikum hingegen robust. In diesem trauten Wechselspiel schlug der Abend einen bunten Stimmungsverlauf, gleichermaßen robust. Wie bei allen denkwürdigen Ereignissen lag auch hier die Würze in der Überraschung: zu den Klängen von „You can leave your hat on“ folgten eine kleine Gruppe heißblütiger Segler an Bord des eilig herbeigeschafften 16ers spontan der Suggestion. Nicht aber, ohne sich dabei emsig um den Mast zu räkeln. Ja, das erfreut uns einfache Gemüter. Schaumkanone? Luftgitarre? Wer braucht Ibiza, wir haben Bierbänke und sind mittendrin in einem wahrlich denkwürdigen Ereignis!

Der Sonntag weckte zeitig mit Fallgeklimper und beseltem Plundergeraschel vom Flohmarkt nebenan, alles sah nach würdiger Fortsetzung des gelungenen Vortags aus. Bei etwas mehr Wind und Welle als am Vortag zeigten die Föhrer Inselnachbarn den bis dahin gleichauf liegenden Verfolgern durch etwas mehr Bootspeed ihr Heck und konnten sich absetzen. Kurios - durch einen nicht erkannten OCS brachten sie sich selbst um beste Siegeschancen, als sie dem letzten Lauf von der Vereinsterrasse aus beiwohnten. Spiel, Spannung, Überraschung – alles war geboten, bis zum Schluss! Also Aufruf an alle Segler die sich davon begeistern lassen – auf geht´s nach Hörnum!

Ich bin ja nun auf die Beobachtung eines besonderen Phänomens gespannt: die Entdeckung der Liebe wenig seefester Vorschoterinnen zur Hörnum-Regatta. Nicht wenige Steuerleute hörten ja bislang Sätze wie: „Ach weißt du Schatz, Hörnum; das schauklige Segeln mit den großen Wellen und dem starken Wind und dem gefährlichen Strom, und den beißenden Seehunden ...- können wir nicht lieber an den Dümmer fahren???“ Ich wage die Prognose, dass es bei der Saisonplanung im nächsten
Jahr plötzlich Einwürfe zu hören gibt wie: „Wollen wir nicht wieder nach Hörnum, da war es doch total nett und das Segeln war gar nicht so schlimm“. Ja, hier ist Misstrauen berechtigt.

Den Veranstaltern kann ich nur den Tipp geben, die segelfreudige Stangentanzjugend weiter zu fördern und zu animieren, ihrem Gefühlsleben bei der Hobieparty freien Lauf zu lassen… die Bilder sprechen für sich. Möglicherweise gibt’s im nächsten Jahr eine Damenwertung …

Georg